Tag: Bambus

04 Dez

Bambus

Bambus wird seit einiger Zeit intensiv als ökologischer Rohstoff vermarktet. Er wird als die neue grüne Wunderpflanze angepriesen. Insbesondere Textilhersteller machen den Käufer glauben, Bambus sei die umweltfreundliche Alternative zur Baumwolle. Leider wächst aber die Mehrheit der im blühenden Bambustextilmarkt verwendeten Bambusstoffe nicht in der Natur, sondern wird in chemischen Prozessen synthetisch hergestellt.

Der Handel preist den Bambus als seidenweiche, saugfähige, atmungsaktive und Temperatur ausgleichende Superfaser an, was deren höheren Verkaufspreis rechtfertigen soll.
Leider besteht das „grüne“ Bambus-Kleidungsstück aber meistens aus gewöhnlicher Viskose, also aus einer Kunstfaser.
Es handelt sich in den meisten Fällen um einen echten Etiketten-Schwindel, respektive um bewusste Irreführung, denn das Endprodukt hat praktisch nichts mehr mit dem Ausgangsstoff zu tun.

Bambus

Tatsächlich wird der Rohstoff Bambuszellulose im Viskoseverfahren chemisch-technisch so verändert, dass dabei ein neues Produkt entsteht, das mit dem Basisstoff kaum noch Ähnlichkeit hat. Man könnte im gleichen Verfahren auch Zellulose von anderen Basisstoffen wie zum Beispiel Buchenholz verwenden und käme zum gleichen Resultat. Zudem entstehen beim aufwändigen chemischen Viskoseverfahren Stoffe, die teils umweltbelastend und giftig sind. Somit haben diese Textilien die Bezeichnung “grün“ keinesfalls verdient.
Die Bambusviskose wird zum grössten Teil von chinesischen Chemiefirmen mit Einsatz enormer Chemikalienmengen hergestellt.

Es gibt tatsächlich Textilien, die aus echtem Bambus hergestellt sind. Doch da die Naturfaser Bambus selbst sehr spröde ist, braucht es immer eine spezielle Bearbeitung, um die Faser mit der kratzigen Textur in feines, tragbares Material zu verwandeln. Die Luzerner Firma Litrax ist weltweit die einzige Firma, die natürliche Bambusfasern in einem Hightech-Verfahren mit Hilfe von Enzymen zu weichen, tragbaren Fasern verarbeiten kann. Echte Bambusfasern kommen jedoch in Textilien eher selten vor.
Der Laie kann die Natur- von der Kunstfaser nicht unterscheiden. (Quelle: Zusammenfassung eines Textes über Etikettenschwindel im Textilgeschäft, entnommen aus dem Beobachter Natur Nr. 6/2010)